BR Übertragungswagen FÜ1 HD und Rüstwagen TR1

Im Zeitraum Dezember 2008 bis Februar 2010 entstand der erste High-Definition Übertragungswagen des „Bayerischen Rundfunk“. Als Sub-Unternehmen von Sony Deutschland GmbH und in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeugbauer Josef Halbinger GmbH und Sono Studiotechnik GmbH, realisierte VTS die Planung und den Bau des FÜ1.

cimg0498

Als Sattelzugmaschinen kamen MAN TGX 18.480 4x4 mit einem zulässigem Zuggesamtgewicht von 40 t zum Einsatz. Mit einer Länge von 13,96 m des Sattelauflegers erreicht das Fahrzeug inklusive Zugmaschine eine Gesamtlänge von 16,5 m, eine Breite von 2,55 m und einer Höhe von 4 m. Der Sattelaufleger besitzt insgesamt 4 elektrohydraulisch gesteuerte „Backen“ und 2 Podeste, die für den Betrieb des Fahrzeuges ausgefahren sein müssen. Durch diese vier ausfahrbaren „Backen“ - eine in der Bildtechnik, zwei gegenüberliegend in den beiden Bildregien und eine in der Tonregie - verbreitert sich das Fahrzeug über fast die komplette Fahrerseite um 80 cm, sowie über einen großen Teil der Beifahrerseite um 1 m, auf insgesamt 4,35 m Fahrzeugbreite. Dies bietet im Innenraum mehr als genug Platz für die gesamte Technik und bis zu 18 Arbeitsplätze.

cimg0246cimg0262

Nach den Unterflur und Kofferaufbauten, welche die Firma Halbinger GmbH, eine Spezialfirma für Fahrzeugaufbauten ausführte, begann der Ausbau des Fahrzeugs. Durch eine mehrschichtige Akustik-Dämmung und Innenraumverkleidung, wurde der geforderten Wert von 35 dB in der Durchgangsdämmung (Innenraum-Außenbereich) erreicht bzw. mit bis zu 37 dB sogar übertroffen. Auch die Schallentkopplung zwischen der Bildregie und der Tonregie übertraf mit 44 dB deutlich den geforderten Wert von 35 dB.

br-f1_grundri 

Der Innenraum des FÜ1 ist auf größtmögliche Flexibilität ausgelegt. Ist die Tonregie noch ein eigenständiger Raum, lassen sich die Bereiche Bildtechnik, Bildregie A und B zu einem großen und weitläufigen Raum öffnen, oder in drei separate Räume trennen. Die Trennung der Räume als nationale und internationale Regie oder als Regie und Schnittraum sind mögliche Anwendungen für den Bayerischen   Rundfunk.

regie_ab_backe_1  dsc_6931_

 

 

 

 

 

 

 

cimg0626_cimg0463cimg0627_

Eine große Flexibilität spiegeln auch die speziell für dieses Fahrzeug konstruierten Tische wieder. Jeder der Bereiche Bildtechnik, sowie Bildregie A und B besitzen auf der Fahrerseite einen verschiebbaren Tisch, der sich über die komplette Länge des jeweiligen Bereiches erstreckt und sich bis zu 74 cm in das Innere des Raumes ausziehen lässt. So wird ein optimaler Bildabstand, oder für Servicezwecke der Zugang zur Monitorwand gewährleistet. Gleichzeitig lassen sich die Regieleuchten parallel zum jeweiligen Tisch verschieben, um immer eine bestmögliche Ausleuchtung zu garantieren.

Ein weiteres flexibles Element des Raumkonzeptes, sind die freibeweglichen Multifunktionstische auf der Beifahrerseite der Bildregien. Diese können z.B. als Schnittplätze für den Avid-, EVS oder MAZ-Schnitt genutzt werden, oder bilden um 180° gedreht eine zweite Regiereihe.

 cimg0609_cimg0612_ 

Versorgt wird der Ü-Wagen über einen 125 A Drehstromanschluss. Der Havarie-Betrieb wird über eine 5000 VA USV realisiert, die einen Notbetrieb von ca. einer halben Stunde ermöglicht. Die elektro-hydraulische Anlage wird über zwei 200 Ah Batterien gespeist und ermöglicht so ein Netzunabhängiges Auf- und Abbauen des Fahrzeugs. Bei Dunkelheit sorgen speziell entwickelte Umfeldleuchten - auf Basis von LED-Technologie - für eine gleichmäßige Ausleuchtung.

Werden die Monitorwände der Bildtechnik und der beiden Regien ausgeschaltet, wird das Fahrzeug in einen Überwachungsmodus versetzt, der unabhängig von der Klimaanlage die Temperaturen der einzelnen Technikgestelle überwacht.Im Fehlerfall werden Warnungen über GSM abgesetzt und im Notfall eine Abschaltung der betroffenen Gestelle eingeleitet. Für ein angenehmes Raumklima und die Gestellkühlung sorgt ein Split-Klimasystem der Firma CCP. Realisiert wird das umfangreiche Klimakonzept des FÜ1 durch insgesamt 6 im Unterflur verbaute Verdichter mit jeweils 11 KW Leistung und 12 separat geregelte Verdampfer - 4 für Raumklima und 8 für die Technikgestelle. 

Das gesamte Konzept der Videotechnik ist für die Produktion im HD-Standard (SMPTE 292M) ausgelegt und erlaubt die Verwendung der Videoformate 1080i und 720p. Vorgesehen ist aber auch die Aufschaltung von zwei SMPTE 292M Verbindungen auf einem Kabel (Dual Link). So können Übertragungsbandbreiten von 3 Gbit/s erreicht werden, was die Produktion in den Formaten 1080p und 2k möglich macht. Der FÜ1 besitzt insgesamt 10 Sendeleitungen, sowie 30 Externund 30 Einspielwege. Somit sind auch für umfangreiche Produktionen ausreichend viele Signalwege vorhanden.

cimg0625_cimg0442 

Das Herzstück der videotechnischen Einrichtung bildet die Trinix-Kreuzschiene von GrassValley mit 384 Quellen und 384 Senken und die Bildmischereinheit MVS-8000G von Sony mit jeweils einem Bedienpanel pro Bildregie. Ausgelegt ist das Fahrzeug für bis zu 16 HD-Kameras HDC-1400R//U von Sony, die genau, wie zwei Videostageboxen, über LWL am Außenanschlussfeld angebunden werden. 

Das Multiviewersystem des Wagens besteht aus drei Kalaido-X von Miranda, deren DVI-Ausgänge, „glasgewandelt“ auf den diversen 32“-TFT‘s von VTS dargestellt werden. Für den Abgleich und die Beurteilung der Signalqualität sind 9 Sony BVM-L230 Monitore verbaut – 5 in der Bildtechnik und je 2 pro Bildregie. Zur Vorschau werden neben den 32“-TFT‘s auch 24“-TFT‘s, 19“-Quadsplits und 6,4“-Dreifachbrücken von VTS eingesetzt. Das Videomessequipment, sowie die GPS-gesteuerte Takterzeugung stammen von Tektronix. Das Schnittsystem des FÜ1 wurde für bis zu 20 MAZEN ausgelegt, darunter 16 PDW-HD1500, eine HDW-2000 und drei DigiBeta‘s von Sony. Außerdem sind vier XT2 von EVS und ein Nitris DX von Avid verbaut. Eine Infrastruktur von Lynx, bestehend aus Verteilern, Konvertern und Frame-Synchronizern komplettiert das Videokonzept.

cimg0580cimg0553

Für den Audiobereich des FÜ1 war die Firma Sono Studiotechnik GmbH - eine Spezialfirma für Audioplanung im Studio- und Ü-Wagen-Bau - zuständig. Neben dem digitalen Mischpult mc²66 von Lawo und der Audiokreuzschiene Lawo Nova 73, sind ein Mehrspur Digital-Recorder PCM-H64 von Sadie, ein Drenkelfort Eventdriver als 5.1 Zuspieler und ein Magix Sequoia System verbaut. Eine 5.1-Abhöre in der Tonregie, sowie Stereo-Abhören in den weiteren Räumen wurden mit Geithain-Lautsprechern realisiert. Die Komandoanlage des FÜ1 besteht aus einer Artist-M kombiniert mit einem Artist 128 Frame von Riedel. Insgesamt 36 Riedel-Sprechstellen verteilen sich über das gesamte Fahrzeug.

  dsc_6990_dsc_6980_

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

cimg0210cimg0214 

Die PC-Steuerung übernehmen zwei Neo8 von Guntermann & Drunck, über die sich 21 im FÜ1 verbaute PC‘s verschiedenster Anwendung, von 14 Bedienkonsolen im Fahrzeug, sowie von 2 externen Arbeitsplätzen steuern lassen.
9 48-Port Switche der Firma Foundry und 4 24-Port Switche von Cisco übernehmen die Kommunikation in und zwischen den verschieden Netzwerken. 

 

Rüstwagen TR 1

Parallel zum FÜ1 wurde auch der Bau des zugehörigen Rüstwagens TR1 realisiert. Dort wurde ein maßangefertigtes Regal- und Schubladensystem der Firma Sortimo installiert, das genügend Platz für den kompletten Produktionszug des FÜ1 bietet. Gleichzeitig bietet der TR1 mit seinem Mehrzweckraum und der eingebauten Küche einen Rückzugs- und Verpflegungsort für die Mitarbeiterdes Bayerischen Rundfunk‘s.

dsc_6902_dsc_6909_


 

Datenblatt BR FÜ1 HD

vts_fue1_pre  download (deutsch, 1,72 MB)