WDR FÜ4 HD und Rüstwagen Im April 2012 wurde der erste HD-fähige Übertragungswagen des Westdeutschen Rundfunks ausgeliefert und begann nach einigen Wochen Probebetrieb, im Juni 2012 mit einer Großübertragung - Der Fußball Europameisterschaft 2012 - seine Arbeit. Der als Sattelauflieger konzipierte Ü-Wagen wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Josef Halbinger GmbH und der Sono Studiotechnik GmbH gebaut. Dabei lag ein äußerst variables Fahrzeug und Technikkonzept zu Grunde, das es dem WDR, durch eine flexible Anpassung von Hardware und Raumstruktur ermöglicht, sich jeder produktions-spezifischen Anforderung und wechselndem Personalbedarf anzupassen. Der 40T Auflieger mit Zugmaschine besitzt zwei Seitenauszüge mit 1,1m und 1,05m Tiefe. Das Besondere daran ist, dass der Bildregie-Auszug auf der Fahrerseite sowohl im ein- als auch im ausgefahrenen Zustand eine Sendetauglichkeit gewährleistet. So kann der WDR auch im innerstädtischen Umfeld mit begrenztem Platzangebot produzieren.
Grundriß - BRG-Backe ausgefahren
Grundriß - BRG-Backe eingefahren In den 5 Räumen (Bildkontrolle, Bildregie 1, MAZ/Bildregie 2, Tonregie und Multifunktionsraum) finden bis zu 23 Personen einen Arbeitsplatz. Dabei lassen sich die Anzahl und Aufteilung der Arbeitsplätze skalieren und für unterschiedlichste Produktionsanforderungen einrichten. Beispielsweise lassen sich komplette Technik- und Funktionseinheiten zwischen dem MAZ- und MULTI-Raum tauschen. Durch die austauschbaren Bedieneinheiten (Grassvalley Kayenne 2 M/E Panel und Yamaha DM1000) können beide Räume wahlweise als Regie, als auch als MAZ genutzt werden. Außerdem lassen sich die MAZ z.B. auch als Schnitt- und Edit-Raum, bzw. der MULTI-Raum als Sprecherkabine oder als Arbeitsplatz für sonstige Anwendungen auslegen. Ebenfalls auf äußerste Flexibilität ausgelegt, wurde die Bildregie. Diese bietet die Möglichkeit, die komplette Mischer-Bedieneinheit (Grassvalley Kayenne 3 M/E Panel) um bis zu einen Meter verschieben. Gleichzeitig gibt es zwei flexibel einsetzbare 19“-Einzelkonsolen mit Kreuzschienenbedienteil und Sprechstelle, wahlweise links oder rechts vom. Dies ermöglicht eine produktionsabhängige Aufteilung der Arbeitsplätze am Bildregietisch. Die sphärisch gewölbte Monitorwand bietet immer eine perfekte Sicht auf Vorschau- und Programmmonitore. Auf der Beifahrerseite der Bildregie ermöglichen bis zu 6 Operatorplätze, ebenfalls diverse Anwendungen. Hier können die vier, an der Außenwand befindlichen Arbeitsplätze OP 2-5, wahlweise als zusammengehörige Arbeitsplätze, oder zusammen geklappt - und somit räumlich getrennt - als zwei Pärchen-Arbeitsplätze genutzt werden.
Auch eine Zusammenfassung mehrerer Räume zu einem großen Arbeitsbereich (z.B. Bildregie 1 und MULTI oder MAZ und MULTI), wurde durch ein Schiebetürensystem realisiert und bietet so die Nutzung als Subregie. So kann der WDR den FÜ4 HD als Doppelregie-Fahrzeug mit kleiner MAZ einsetzen. Eine weitere Besonderheit des FÜ4 HD bieten die beiden- so genannten Quick-Change-Racks QCR 1 und QCR 2. Hierbei handelt es sich um zwei raumhohe Technikgestelle (insgesamt 70 HE-Einheiten), die produktionsabhängig mit unterschiedlichster Hardware bestückt werden. Rückseitig sind diese Gestelle mit umfangreichen Anschlussfeldern ausgestattet, um alle denkbaren Schnittstellen für diverse Geräte zu ermöglichen. So ist es ein leichtes die Anzahl der Kameras zu erhöhen, oder das Fahrzeug durch weitere EVS-Server oder Mazen zu erweitern. Ausgestattet ist der FÜ4 HD mit 10 Ikegami Kameras, eine davon drahtlos. Die Dual-Technik-CCU’s bieten die Möglichkeit, wahlweise Triax- als auch Glasfaserkabel zu nutzen. Sieben SMPTE-Kamerakabel sind bereits in einer Trommelanlage im Heckpodest integriert. Ebenso eine 5-fach Video-Trommel für externe Signale. Das Videorouting innerhalb des Fahrzeugs übernimmt eine Evertz EQX-Kreuzschiene mit 504x486 Koppelpunkten. Dazu kommen noch 9 X-Link Ausgänge, die 21 VIP-X Multiviewer-Systeme. Die Steuerung erfolgt hierbei mit dem KSC-Commander von BFE. Als Bildmischpult wird ein Grassvalley Kayenne-Mischer genutzt. Mit 4,5 M/E und variabel konfigurierbaren 96 Ein- und 48 Ausgängen, können verschiedene Programm-, Mix- und Effektfunktionen, sowie 46 logische AUX-Bus-Ausgänge belegt werden.
In der Video-Infrastruktur von Lynx (insgesamt 25 Träger), sind 33 P VD 5840 enthalten, 26 für die Synchronisierung und Up/Down/Cross-Konvertierung von Signalen, die restlichen integriert in die sechs Sendeleitungen des Fahrzeugs. Neben acht Farbkorrekturen, Logoinsertern und Legalizern, gehören ein Pixel Power Clarity 5000/2 Schriftgenerator, drei Dreamboxen DM8000HD für DVB-S/T/C Rückempfang und ein Modulator für analoge Hörfunk- und DVB-C-Signale zu Ausrüstung. Alle Räume sind mit VTS HD-TFT-Monitoren, in diversen Größen ausgestattet. Für die insgesamt 93 TFT’s in den Größen 9“ bis 32“, kam es dem WDR besonders auf die Geschwindigkeit an. Mit einer Reaktionszeit von 10ms bei Vollbilddarstellung, passten die VTS-Displays perfekt in das Konzept des Westdeutschen Rundfunks. Am Bildingenieurplatz und den Bildtechnikerplätzen, wurden ein Sony BVM-F170 OLED-Monitor und vier Sony PVM-1741 OLED-Monitore verbaut. Hierbei wurde besonderer Wert auf einen ergonomischen Aufbau der Arbeitsplätze gelegt. So sind z.B. die Messelemente (Tektronix WFM-5200) der Bildtechniker gemeinsam mit dem Tisch ausziehbar und die Monitore in einem optimalen Winkel und Abstand zu Arbeitsposition angebracht.
Für den Schnitt, Ingest und Playout gibt es zwei vierkanalige Geevs-Videoserver und zwei Energy-Speicher der Firma EditShare, mit einer Kapazität von je 32 TB, sowie zwei 6-kanalige XT2-Server von EVS. Den nonlinearen Schnitt übernehmen ein Avid Media-Composer und das EditShare-System. Eine BVE-2000 Schnittsteuereinheit steht als lineare Reserve zur Verfügung. Fünf Sony PDW-F1600 HD-Recorder ermöglichen Multiformat-, sowie 8-Kanal-Audioaufnahmen.
Zur flexiblen Bedienung sämtlicher PC’s und Server dienen zwei kaskadierte Neo16 KVM-Kreuzschienen von Guntermann&Drunck, mit 31 Clients und 20 Arbeitsplätzen. Die Infrastruktur, über Steckfelder und Stageboxen, bietet eine Erweiterung auf bis zu 40 Clients und 28 Arbeitsplätze im und außerhalb des Fahrzeugs. Im Audiobereich kommen ein Aurus-Mischpult und eine Nexus-Kreuzschiene der Firma Stagetec zum Einsatz. Die Tonregie kann 128 Mikrofonsignale, 300 AES-Schnittstellen, sowie 75 Line Ein- und 140 Line Ausgänge verarbeiten. Neben dem Aurus-Pult kommt ein Yamaha DM2000 Mischpult als Havarie-, bzw. Tonträgermischpult zum Einsatz. Neben AES- und Analogsignalen, wurde der FÜ4 HD auch für Dolby E ausgelegt. Darüber hinaus ist eine Audioarbeitsstation mit Sequoia-Software (Magix) und einem Eventdriver (Drenkelfort) als 5.1-Zuspieler eingebaut.
Für die Kommunikation im FÜ4 HD und an der Produktionsstätte sorgen eine 128x128 Riedel Artist-Matrix und eine 32x32 Matrix. Letztere dient der Kamerakommunikation und kann sich über das Quick-Change-Rack durch weitere Einheiten erweitern lassen. Drei RiFace-Funkeinheiten, die sechs unabhängige Simplex-Verbindungen realisieren können, runden das Kommandosystem ab. Für die Ein- und Ausbettung diverser Signale an den Produktionsstätten wurden neun Stageboxen für diverse Anwendungen entworfen. Dazu zählen Aufgaben wie Probenpult, Lichtregie, Grafik-/Spieletechnik, Uplink/DL Kamera, Telekommunikation, sowie zwei Stageboxen für Videosignale und zwei Stageboxen für Audiosignale. Angebunden werden die neun Stageboxen über sieben 160m 4-fach Glas/Netz Kombikabel, die in einem 2ten Trommelraum integriert sind und über zwei 300m 4-fach Glaskabel, die auf externe Trommeln gewickelt sind. Eine dritte 300m 4-fach Glaskabeltrommel ermöglicht die Integration einer Stagebox vom WDR FÜ1 oder FÜ2.
Zur besseren Verwaltung von Signalen, von und zu den Stageboxen kommt ein Riedel Mediornet Compact Pro System zum Einsatz. Dieses besteht aus zwei Systemen im Ü-Wagen und vier Weiteren in den Stageboxen Probenpult, Lichtregie, Uplink und Telekom und ermöglicht die Beschaltung verschiedenster Signale zwischen den Stageboxen und dem FÜ4 HD. Die nutzbaren Signale umfassen viele Gewerke der Fernsehtechnik, wie z.B. Video (HD-SDI und Takt), Audio (analog, AES, MADI), Ethernet, Seriell und GPI. Die Steuerung übernimmt hier ebenfalls der KSC-Commander von BFE. Ebenfalls im Auftragsumfang war ein Begleitfahrzeug als 26T Kofferaufbau zu liefern, mit dem die gesamte mobile Produktionstechnik zum Einsatzort transportiert werden kann. Dieser Rüstwagen beinhaltet einen Aufenthalts- und Serviceraum, sowie einen mit Sortimo-Regalsystemen ausgestatteten Rüstbereich, indem der mobile Rüstzug des FÜ4 HD Platz findet.
Zur besonderen Transportsicherung wurde im kompletten Bodenbereich ein spezielles Air-Line-Schienensystem integriert und fest mit dem Hauptträger des Kofferaufbaus verbunden. Diese Technik kommt aus dem Flugzeugbau und wird normalerweise zur Fixierung von Passagiersitzen in Flugzeugen genutzt. Durch diese Maßnahme wäre die Ladung selbst bei einem größeren Unfall sicher. |
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